Verhandlung; Aussage: Schweigen – Reden – Verteidigererklärung?

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Schweigen; keine Aussage?

Wenn Sie beschuldigt oder angeklagt sind, dürfen Sie immer schweigen. Das ist oft sogar genau das Richtige: 

Der Staat hat die Beweislast gegen Sie. Es gibt Fälle, wo ein voller strafrechtlicher Beweis nicht möglich ist, außer Sie tragen selbst dazu bei. Es gibt Anklagen, bei denen die Beweislage so dünn ist, dass ein Freispruch die Folge wäre, außer der/die Angeklagte selbst liefert im Termin die nötigen Zusatzaussagen. Das ist dann ohne Verteidigung fast die Regel:

Denn auf eine Anschuldigung hin will sich jeder Mensch aktiv erklären.

Vom Richter höflich gefragt, ob Sie etwas zur Anklage sagen wollen, werden Sie das „natürlich“ tun – und reden sich in Sekunden um Kopf und Kragen. Richterinnen und Richter, Staatsanwältinnen und Staatsanwaltäe sind Profis. Die kennen im Termin die Akten und ihre Schwachstellen. Man lässt Sie reden und fragt nach, bis Sie selbst den fehlenden Beweis liefern. Und dann gilt: „Gesagt ist gesagt“…

Aussage/“Einlassung“?

Andererseits kann es sein, dass Sie eine Beweislage gegen Sie mit einer eigenen guten Aussage entkräften können. Auch wenn Sie nur bestimmte Behauptungen gegen Sie entscheidend schwächen, könnte das schon reichen.

Nicht vergessen: Angeklagte / Beschuldigte sind nicht zur Wahrheit verpflichtet! Sie dürfen sagen, was Sie wollen. Aber das ist wiederum ein struktureller Nachteil, denn „der Tatrichter muss nicht alles glauben, was ihm ein Betroffener erzählt (BGHSt 34, 29, 35)“.

Dies alles inhaltlich einzuschätzen, ist professionelle Verteidigerarbeit. Und um zu klären, wie man sich einlässt:

Erklärung im Termin, aber wie: Über den Verteidiger

Dass der Verteidiger für Sie Ihre Aussage macht, ist möglich.

Das wird sogar sehr häufig gemacht, gerade wenn es kompliziert wird und auf kritische Details ankommt.

Dies nennt sich „Verteidigererklärung“.

Das ist auch das Beste, wenn Sie selbst zwar reden sollten, es sich aber nicht so recht zutrauen.

Ihr Verteidiger bereitet dann eine schriftliche Erklärung vorher mit Ihnen vor und formuliert sie in Ruhe auf Papier. Es ist dann Ihre Aussage.

Die liest Ihr Verteidiger im Termin vor (in ich-Form, gemeint sind dann Sie).  Sie sagen am Ende, dass dies genau Ihre Aussage ist. Etwa: „Ja, so war es, das wollte ich sagen!“

Das ist sehr oft die richtige Lösung.

Problem: Nachher – Fragen an Sie selbst

Die Lösung hat aber einen Pferdefuß: Sie werden nachher in aller Regel trotzdem noch persönlich gefragt. Das kann man verweigern – was die schriftliche Erklärung aber schwächt und eventuell rechtlich Tücken hat: Ein sogenanntes „selektives Teilschweigen“ (auf manche Fragen sagt man etwas, auf andere nicht) kann negativ gewertet werden.

Trotzdem ist die Verteidigererklärung, auch ohne viele Fragen zuzulassen, oft genau die richtige Lösung.

Gerichte mögen sie auch aus praktischen Gründen. Immerhin bekommen alle Beteiligten Ihre ganze Aussage im Ausdruck, zum Mitlesen und fürs Protokoll.

Sie liest der Verteidiger im Termin ruhig vor. Gericht und Vertreter der Staatsanwaltschaft müssen nicht mitschreiben, vergessen nichts, sie können mitlesen und unterstreichen. Ansonsten sonst müssten sie Ihnen zuhören, gleichzeitig alles notieren – und alle Details im Kopf behalten.

Wenn Sie dann diese Erklärung dann selbst authentisch, ehrlich und farbig ergänzen – bestens.

Oder doch von Anfang an selbst reden?

Wenn keine Verteidigererklärung mit Ihnen gemacht wurde, wird das einen Grund haben.

Denn der Richter will Sie wie gesagt ohnehin meistens selbst reden hören – einen Eindruck von Ihnen und Ihrer Aussage bekommen.

Vor allem, wenn die Beweislage nicht einfach ist, Aussage gegen Aussage steht – Ihre gegen Zeugen:

Dann kann es am besten sein, wenn Sie selbst Ihre Einlassung von Anfang an selbst machen. Wenn Sie diese authentisch und echt machen, kommt eine direkte Aussage bei Gericht und Vertreter der Staatsanwaltschaft natürlich besser an, als wenn Sie sich hinter einer vorgelesenen Erklärung „verstecken“.

Fragen Sie Ihre Verteidigerin / Ihren Verteidiger

Wenn Sie also Zweifel haben: Fragen Sie unbedingt vor dem Termin, vor einer Aussage, einen Verteidiger. Diese Punkte sind sehr wichtig.