Anwalt/Anwältin: Pflichten und Position

Ein Überblick über Pflichten, Position und Aufgaben von Anwalt/Anwältin.

Strikte Schweigepflicht

Der Anwalt/die Anwältin macht sich strafbar, wenn er/sie diese nicht einhält, § 203 StGB. Man darf bei ihm nichts zu Ihnen beschlagnahmen, § 97 StPO.

Optimale Interessenvertretung: Ihrer Interessen

Ihrer Interessen: Der Anwalt dient Ihnen und niemandem sonst, muss sogar theoreitischen Kollisionen aus dem Weg gehen § 43a  Abs. 4 BRAO, § 3 BORA; er macht sich strafbar, wenn er das nicht einhält, § 356 StGB.

Ansprechpartner für Ihren Gegner

Sie haben Ihren Gegner erst einmal los. Der Gegenanwalt darf Sie ebenso wenig direkt ansprechen, wenn Sie anwaltlich vertreten sind.

Anwälte haben eine professionelle Gesprächsebene mieteinander

Es gibt eine ganz besondere professionelle Gesprächs- und Verhandlungsebene zwischen Anwälten – Eigener Anwalt und Gegenanwalt.

Diese ist oft unverzichtbar, um eine „Kuh vom Eis“ zu bringen, wenn die Parteien dies nicht mehr können oder die Möglichkeiten dazu nicht kennen.

Ihr Anwalt berät – Sie entscheiden.

So sind die Verantwortlichkeiten.

Der Anwalt handelt eigenverantwortlich und ist nicht an Weisungen gebunden

Er handelt aus seiner eigenen Beurteilung und muss dies auch. Er steht nicht in Ihrem Schatten, sondern ist Mittler – mit seiner eigenen Rolle, Statur und Vertrauenswürdigkeit. Er wird nicht Ihre Inhalte einfach in seinen Schriftsatz kopieren.  Siehe oben: Darin liegt sein Wert.

Er kann das Mandat niederlegen, wenn er sich darin nicht mehr wiederfinden kann oder die Vertrauensbasis fehlt. Es schadet auch ihm, wenn er zum Vortrag krasser Unwahrheiten gebracht – missbraucht – wird. Sein Standing ist sein erarbeiteter Wert.

Der Anwalt hat Wahrheitspflicht (!)

Echt! Sie fragen: Also der Anwalt darf für mich nicht lügen? Nicht einmal dann, wenn ich (als Beschuldigte/r) sogar selbst lügen dürfte?

Antwort auf diese schwierige Fragen (die eigentlich falsch gestellt ist, denn was ist schon „Wahrheit“)…

Verstehen muss man, worin der Wert des Anwalts für Sie liegt: Er tritt für Sie als Mittler auf. Der Anwalt ist eben nicht nur ein „Mietmaul“, der lügt, wenn er dieses aufmacht. Dann wäre er sinnlos.

Umgekehrt: Kollegen und das Gericht sollen ihm soweit vertrauen können. Darin liegt sein eigentliches Gewicht, sein Wert für Sie.

Wer als Anwalt bekanntermaßen lügt, für den wäre Ihr Geld zum Fenster hinaus geworfen – denn was er sagt, hat von vornherein kein Gewicht.

Also tatsächlich: Der Anwalt lügt nicht – nicht in diesem Sinn. Der Rest ist Anwaltskunst.

Das kann dazu führen, dass man auch mal gar nichts sagt oder die Beweislage ausspielt, ohne dazu viel zu sagen.

Überhaupt: Die Wahrheit ist oft subjektiv.

Und wer sagt Ihnen denn, dass „Ihre“ Wahrheit, juristisch richtig eingesetzt und gut beschrieben, nicht Ihnen am Ende sogar entscheidend nützt?

Eines muss Ihr Anwalt auch nicht: Ihnen Löcher in den Bauch fragen (außer, das wäre zu Ihrem Besten).

Ebenso wenig muss (darf) er Ihre Aussage nach außen anzweifeln (auch wenn er im Gespräch mit Ihnen allein, unter strikter Schweigepflicht, sehr wohl Ihr Sparringspartner sein kann, um Sie richtig zu beraten und Ihnen klarzumachen, wie der Gegner und das Gericht mit Ihnen umspringen wird!).

Sie fragen, wie jede/r: Und wenn ich meinem Anwalt den Mord gestanden habe, darf der nicht mehr auf Freispruch plädieren?!

Antwort: Doch, natürlich – denn ohne vollen Nachweis keine Verurteilung, und wenn Sie schweigen, wo liegt der Nachweis? Im Strafrecht muss der Staat Ihnen von A bis Z alles nachweisen: Wieso sollen Sie da mitmachen?

Weder Sie noch Ihr Anwalt müssen oft große Reden schwingen, wenn es genügt, der Gegenseite den Weg zu verlegen. Das ist oft viel besser als eine tolle Story, die nach 3 Fragen in sich zusammenfällt – denn dumm ist die Gegenseite auch nicht.

Sowieso stellt sich das Problem gar nicht so oft. Sie haben Ihre Sicht, der Gegner die seine – wo ist die Wahrheit?