Beschuldigt – Recht zu lügen; Grenzen?

Sie sind in einer Strafsache (wahrscheinlich) Beschuldigte/r?

Diese Infoseite behandelt eines Ihrer wichtigsten Rechte: Ihr Recht zu lügen (nicht nur zu schweigen).

(Hier zur Übersichtsseite „Beschuldigt“).

(Hier zur Seite: Ihre Rechte als Beschuldigter – Pflichten der Polizei).

(Hier zurück zur zentralen Einstiegsseite).

Ihr Recht zu lügen: Komplett –

Als Beschuldigter müssen Sie nicht die Wahrheit sagen. Sie dürfen Sie sagen, was immer Sie wollen. Nichts davon muss stimmen. Sie müssen nur Ihre Personalien richtig angeben. Zu Ihren Einkünften müssen Sie schon nicht mehr die Wahrheit sagen: Siehe hier zur reinen Höhe einer Geldstrafe.

– außer Sie beschuldigen jemand konkret falsch

Aber: Sie dürfen nicht eine bestimmte andere Person falsch beschuldigen – oder so aussagen, dass dies die zwingende Folge wäre:

Denn auch Beschuldigte und Angeklagte können sich wegen falscher Verdächtigung, § 145d StGB, strafbar machen. Hier kann es ktitische Grenzfälle geben (nur 2 kommen in Frage, jeder zeigt auf den anderen).

Wenn Ihre Verteidigung wahr ist (geschlagen haben nicht Sie, sondern X), dürfen Sie sich natürlich so verteidigen.

Ob Einlassung oder nicht, und was: Anwaltssache. Eventuell: nicht alles sagen

Sie können Ihrem Anwalt / Ihre Anwältin voll vertrauen. Aber der/die darf nicht lügen und genießt deshalb ein gewisses Vertrauen bei Gericht, auch, wenn er/sie anwaltlich Ihre Einlassung vorträgt.

Er/sie darf aber Ihnen zwar sehr weitgehend glauben. Er darf dann auch alles so interpretieren, dass Ihre Aussage passt: Aber nicht gegen volles besseres Wissen. Gute Anwälte machen das auch nicht. Also könnte es sich empfehlen, dass Sie zunächst auch Ihren Anwalt nicht voll informieren. Warten Sie die Akteneinsicht ab, lassen Sie sich vom Anwalt dann Schritt für Schritt beraten und entscheiden Sie entsprechend Schritt für Schritt, was Sie Ihrem Anwalt anvertrauen wollen.

Was nun geht oder nicht geht, wird Ihnen das Ihr Anwalt / Ihre Anwältin schon sagen. Denn:

Ihre Einlassung muss genau passen – und durchgehalten werden

Sie wissen: Die passendste Aussage zu etwas ist meist – die Wahrheit.

Die Wahrheit zu beweisen ist für Beschuldigte oft schwierig genug

Und da Sie als Beschuldigter lügen dürfen, ist es vor Gericht oft schon schwierig genug, die für Sie günstige Wahrheit zu „beweisen“ – vor allem, wenn Zeugen lügen.

Vorsicht vor einer aktiven Aussage – die nicht stimmt

Wenn sie sich entscheiden, sich „redend“ zu verteidigen, aber mit etwas, was nicht wahr ist, dann gilt noch mehr: Eine noch so kleine Lüge, wegen der Sie überführt werden, und Ihre Aussage kann insgesamt wertlos sein. „Wer einmal lügt“… Das bedeutet:

  • keine Einlassung ohne volle Aktenkenntnis – und das bedeutet: mit Anwalt/Anwältin
  • keine Einlassung, wenn man alle weiteren Fragen nicht schlüssig beantworten kann.
  • keine Einlassung, wenn damit wesentliche Punkte zwingend zugegeben werden müssen.

Das ist nicht einfach! Überschätzen Sie sich nicht, unterschätzen Sie die Polizei und Justiz nicht: Denn wenn Sie einmal reden, werden Sie immer weiter gefragt – kreativ, mit allem Hintergrundwissen der Ermittler.

Lösung daher oft: Schweigen und verteidigen lassen

Viele Beschuldigte wollen reden, weil sie denken, dass Schweigen negativ wirkt. Das gilt aber nicht mit Anwalt! Oft ist der Weg über das Schweigen genauso gut und ungefährlicher. Vertrauen Sie Ihrem Anwalt / Ihrer Anwältin. Denn nochmal:

Dem Angeklagten glaubt man nicht

Angeklagten glaubt eher nicht – Zeugen glaubt man im Zweifel fast alles. Denn Zeugen „müssen“ bei Strafe die Wahrheit sagen – also denkt man, die Zeugen sagen die Wahrheit, außer, es tauchen tatsächlich Widersprüche auf.

Hier kann es die bessere Lösung sein, sich bedeckt zu halten – zu schweigen, denn das dürfen Sie – und die gerichtliche Verhandlung abzuwarten, um zu sehen, ob das Gericht wirklich den Zeugen sicher vertrauen kann – oder eben nicht und Sie im Zweifel freizusprechen sind.

Muss Ihnen alles widerlegt werden, was Sie sagen?

Zwar – muss man Ihnen die Tat nachweisen – wo Zweifel bleiben, fehlt der Nachweis. Dieser sichere Nachweis gegen Sie ist aber nur nötig zu den Fakten, die die Straftat selbst rechtlich ausmachen (Sie waren da, Sie haben geschlagen, es gab eine Verletzung, Sie haben das gewollt oder in Kauf genommen).

Aber – das bedeutet nicht, dass jede abweichende Aussage von Ihnen widerlegt sein muss.

Es ist nicht so, dass im Zweifel alles gelten muss, was Sie sagen, es sei denn, dies alles wäre widerlegt. Ein Gericht muss nicht schon als wahr unterstellen oder hinnehmen, „wofür keine Anhaltspunkte sprechen“.

Lassen Sie sich verteidigen!