Folgen – Straftat: Freiheitsstrafe (mit/ohne Bewährung)

Hier die Infos zur strafrechtlichen Freiheitsstrafe. (Hier zurück zur Übersichtsseite: Folgen / Straftat ) (Hier zurück zur zentralen Einstiegsseite)

Freiheitsstrafe? Kann billiger als Geldstrafe sein

Wenn Sie erstmals zu Freiheitsstrafe verurteilt werden – nur ruhig! Dann bekommen Sie Bewährung, und diese Strafe ist in aller Regel billiger als eine Geldstrafe. Da sind schnell tausende Euro fällig. Bei Bewährung haben Sie ein Urteil auf Papier und nur eventuell Auflagen wie Schadenswiedergutmachung, Arbeitsstunden oder eine Zahlung, die Sie leisten können. Und bei guter Führung in der Bewährungszeit ist die Sache erledigt. Nachteil: Bei Geldstrafe haben Sie nochmal einen Schuss frei – eben zur Freiheitsstrafe auf Bewährung. Aber auch wenn Sie schon mal eine Freiheitsstrafe kassiert haben, ist es nicht hoffnungslos. Versuchen Sie nur nicht mehr die Verteidigung in Eigenregie – suchen Sie sich eine professionelle Strafverteidigung. Die ist eventuell kostenlos, nämlich dann ein Fall von Pflichtverteidigung (siehe hier).

Freiheitsstrafe: Die Basisinfos

Eine Freiheitsstrafe soll in Deutschland nur als letztes Mittel verhängt werden. Das heißt erst,  wenn überhaupt 6 Monate oder mehr fällig sind. „Kurze Freiheitsstrafe nur in Ausnahmefällen“ – § 47 StGB. Darunter soll es nur Geldstrafe geben. Bei Wiederholung gilt das nicht mehr.

Unter 1 Monat gibt es gar keine Verurteilung zu einer „zeitigen“ Freiheitsstrafe, § 38 StGB. Dann wird in zusätzlichen Wochenschritten gezählt, ab 1 Jahr Freiheitsstrafe in Monatsschritten. Das Höchstmaß ist 15 Jahre – § 38 StGB, § 39 StGB. Entscheidend ist erst der Strafrahmen einer Strafvorschrift („von/bis“) und dann die Strafzumessung im Einzelnen. Siehe die besonderen Infoseiten.

 

Wo allein die lebenslange Freiheitsstrafe angedroht ist, gibt es Möglichkeiten im Vorfeld: Weil bei der Strafe jede Möglichkeit der Nuance fehlt, hat die Rechtsprechung meist die Voraussetzungen besonders ausgestaltet. Wenn es trotzdem zur lebenslangen Freiheitsstrafe gekommen ist, gilt für die Vollstreckung die besondere Vorschrift des § 57a StGB: Es kann auch hier nach 15 Jahren Vollzug zu einer Reststrafenaussetzung zur Bewährung kommen. Nur nicht, wenn „die besondere Schwere der Schuld die weitere Vollstreckung gebietet“. Nur dann heißt lebenslang wirklich lebenslang.

Bewährung: Bis zu 2 Jahre Freiheitsstrafe

Eine Freiheitsstrafe ist „bewährungsfähig“ bis zu maximal 2 Jahren – § 56 StGB. Aufgeteilt (ein Teil zur Bewährung, ein Teil unbedingt) wird im deutschen Recht nicht am Anfang, aber dann in der Vollstreckung (siehe unten).

Höhere Strafe – mehr Voraussetzungen

Die Voraussetzungen für die Strafaussetzung zur Bewährung werden enger, je höher die Strafe insgesamt ausfällt. Schluss ist wie gesagt ab einer (Gesamt-)Strafe von 2 Jahren und 1 Woche.

Bis zu 6 Monaten soll sowieso keine Freiheitsstrafe verhängt werden (Ausnahmen sind aber die Regel). Hier gibt es in aller Regel als Ersttäter Bewährung; Ausnahme, § 56 Abs. 3 StGB: Das wäre der Öffentlichkeit nicht mehr vermittelbar.

Bis zu 1 Jahr (Gesamt-)Strafe soll es ebenfalls regelmäßig Bewährung geben, wenn die Legalprognose positiv ist (siehe gleich) – § 56 Abs. 1 StGB.

Erst über 1 Jahr und bis 2 Jahren (Gesamt-)Strafe brauchen Sie „besondere Umstände“§ 56 Abs. 2 StGB. Aber die lassen sich sicher finden: Besondere Tatumstände, Geständnis, Wiedergutmachung / Bemühung, gute soziale Verhältnisse bei Entlassung… Je mehr Vorstrafen sie mitbringen, um so mehr Besonderheiten muss man aber für Sie anführen.

Hier gilt besonders: Wenn es in erster Instanz nocht klappt, gehen Sie in die nächste (wenn eine Berufung möglich ist). Da vergeht Zeit und wenn Sie sich bis dahin einwandfrei führen, haben Sie ein sehr wichtiges Argument mehr.

Günstige Legalprognose oder Sozialprognose

Günstige Legalprognose, § 56 Abs. 1 StGB, heißt: Es ist wahrscheinlich, dass Sie während der Bewährungszeit keine weiteren Straftaten begehen – d.h. es muss nicht sicher sein, nur wahrscheinlicher als das Gegenteil. Die „Sozialprognose“ der 70er Jahre ist nur ein Teil davon (in sozial sicheren Verhältnissen ist es eher wahrscheinlich, dass Sie während der Bewährungszeit keine Straftaten begehen).

Keine Bewährung? Jetzt an Reststrafenaussetzung zur Bewährung arbeiten

Wie gesagt kann eine Strafe im deutschen Recht nicht schon am Anfang aufgeteilt werden – in einen Teil zur Bewährung, ein Teil unbedingt. Sie müssen aber eine unbedingte Strafe nicht zwingend in voller Länge absitzen: Hier greift die Reststrafenaussetzung zur Bewährung (siehe die Seiten hier) – das heißt eine frühzeitige Entlassung „bei guter Führung“. Dann haben Sie ebenfalls eine Bewährung (nämlich bezogen auf die Reststrafe). Das geht ab „Halbstrafe“, wenn sie zum ersten Mal in Strafhaft sind, und soll die Regel sein nach 2/3 der Strafe. Tatsächlich schaffen es ca. 50% aller Inhafttierten und selbstverständlich schaffen es Sie, wenn Sie die Tips beherzigen, z.B. sofort beginnen.

Aber keine Angst: So schnell kommen Sie nicht in den Strafvollzug!

Wiederholte Freiheitsstrafe? Zwei parallele Bewährungen sind möglich

Selbst wenn Sie nochmals zu einer Freiheitsstrafe verurteilt werden und haben bereits eine laufende Bewährungszeit: Auch dann können Sie eventuell ruhig bleiben. Zwei parallele Bewährungen sind oft möglich, wenn Sie noch keinen Strafvollzug gehabt haben und wenn die Sache gut angepackt wird. Eine professionelle Strafverteidigung ist aber dringend nötig – da kann man nicht mehr herumsitzen und abwarten.

Schon zwei Bewährungen und nochmals was passiert?

Zwei parallele Bewährungen, und nochmals was passiert? Nicht aufgeben! Wenn die Sache auch jetzt gut, umfassend und vor allem rechtzeitig angepackt wird, kann man da noch rauskommen.

Irgendwann: Vollstreckung von allen Strafen

Deutschland ist extrem milde… hat aber Grenzen, zumindest im Strafrecht. Eine neue Straftat in der Bewährungszeit führt zu einer weiteren Strafe, kann aber auch zum Widerruf aller alten Strafen führen. Dann müssen Sie sich auf die Vollstreckung aller Strafen einstellen. Erst mal der aktuellen und die zur Bewährung ausgesetzten kommen nach Widerruf dazu. Nicht sofort – jede Bewährung hat ein eigenes Widerrufsverfahren – aber vergessen wird man es nicht. Manchmal sogar im Gegenteil:

Vorsicht: Haftbefehl schon vor Widerruf

Schon vor einem formalen Widerruf der Bewährung kann man Sie per speziellem Haftbefehl schon mal zur Festnahme ausschreiben, § 453c StPO. Diesen Haftbefehl kann man auch nicht gegen Kaution oder Auflagen außer Vollzug setzen.

Bewährung? Neue Anzeigen vermeiden!

Ob Sie nun eine „unbedingte“ Freiheitsstrafe bekommen, ist immer von den Umständen abhängig. Wichtig ist es, dass Sie bei einem neuen Vorfall schnell reagieren! Wenn Sie Bewährung haben, müssen Sie erst mal dafür sorgen, dass schon keine Strafanzeige erstattet wird.

Nochmals: Das muss schnell geschehen – wenn die Polizei die Anzeige einmal hat, ist es sinnlos, wenn der Geschädigte die Anzeige „zurückzieht“ – das gibt es nicht! Leisten Sie also so schnell wie möglich einen gütlichen Ausgleich, wenn es irgendwie geht. Lassen Sie das einen Anwalt machen!

Kriterien: Einschlägige Tat, schneller Rückfall?

Wenn es zur Anzeige kommt, muss man erst recht alle Register ziehen.

Wenn nochmals gegen Auflage eingestellt werden kann, ist nichts passiert.

Wenn Staatsanwaltschaft oder Gericht nochmals zu einer Geldstrafe überredet werden kann, ebenfalls: Das ist für das Gericht, das Ihre Bewährung führt, das klare Zeichen, dass die Bewährung nicht widerrufen werden muss (es ist ja nicht mal eine neue Freiheitsstrafe verhängt worden).

Die Chancen hängen natürlich von den Umständen ab. Man wird schon entlastende Punkte finden!

Das Gericht schaut vor allem, ob Sie eine Straftat wie die frühere wiederholt haben: „Einschlägig“?

Und schaut, wie viel Zeit nach der letzten Verurteilung vergangen ist – schneller „Rückfall“ („zeitnah“) oder haben Sie schon Jahre durchgehalten?

Vertrauen Sie hier nicht (noch weniger als sonst schon) darauf, dass Staatsanwaltschaft und Gericht etwas zu Ihren Gunsten berücksichtigen. Sie brauchen hier eine engagierte Strafverteidigung, die z.B. vermittelt, wie Sie sich in der Zwischenzeit bemüht haben. Staatsanwaltschaft und Gericht sehen erst mal nur den Rückfall. Man vergisst die vielen hundert harten Tage bis dahin.