Körperverletzung; Tabelle: Strafe + zivilrechtliche Zahlungspflicht

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Fallvariante Strafrecht Zivilrecht
Eine Körperverletzung ist rechtlich: § 223 Abs. 1 StGB: (einfache) vorsätzliche Körperverletzung – Geldstrafe bis 5 Jahre;

§ 224 Abs. 1 Nr. 4 Gefährliche Körperverletzung (mit einem anderen Beteiligten gemeinschaftlich) – 6 Mo – 10 Jahre, minderschwerer Fall: Ab 3 Monate;

usw.

Deliktische Rechtsgutsverletzung (körperliche Unversehrtheit)

§ 823 Abs. 1, Abs. 2 BGB; verpflichtet i.V.m. §§ 249 ff. BGB zum Schadensersatz; i.V.m. § 253 Abs. 2 BGB zur Zahlung von Schmerzensgeld

1 Person schlägt eine andere, dieser wird verletzt § 223 Abs. 1 StGB.

Staat muss für Strafe nachweisen:

wer die Verletzung durch seine Handlung zugefügt hat (dass dieser der Täter ist, dass dieser diese Verletzung begangen hat) –

– Staat muss im Strafrecht beweisen, dass dies nicht in Notwehr geschah

– Für vorsätzliche Körperverletzung Nachweis, dass Verletzung mindestens billigend in Kauf genommen. Aber § 229 StGB: fahrlässige Körperverletzung, Geldstrafe bis 3 Jahren

§§ 823 Abs. 1, Abs. 2 BGB, 249 ff. BGB.

Der Anspruchsteller muss nur nachweisen:

– wer die Verletzung durch seine Handlung zugefügt hat (dass dieser der Täter ist, dass dieser diese Verletzung begangen hat)

<> wer geschlagen und verletzt hat, muss im Zivilrecht beweisen, dass er das ausnahmsweise durfte: = muss seine Notwehr beweisen (!)

<> Nachweis möglich, dass ohne jedes Verschulden, also auch ohne Fahrlässigkeit – aber sehr schwierig

2 Personen schlagen sich gegenseitig, jeder wird verletzt wie oben.

Jeweils Freispruch, wenn unklar, ob irgend einer in Notwehr gehandelt hat !

wie oben.

Jeweils Verurteilung, wenn unklar, ob irgend einer in Notwehr gehandelt hat !

1 Person wird verletzt; mehrere sind beim Verletzen dabei

— gehen dabei (stillschweigend) gemeinschaftlich vor (sind rechtlich Teilnehmer):

— handeln nur nebeneinander her (sind rechtlich nicht Teilnehmer):

§ 224 Abs. 1 Nr. 4 Gefährliche Körperverletzung (mit einem anderen Beteiligten gemeinschaftlich) – 6 Mo – 10 Jahre, minderschwerer Fall: Ab 3 Monate

Die individuelle Strafe wird primär auf den individuellen Anteil bezogen; berücksichtigt das Ganze nur in diesem Rahmen

Staat muss für Strafe nur noch nachweisen, dass ein Kreis von Personen geschlagen hat, die Teilnehmer (Mittäter oder Unterstützer) sind: Dass jeder Betreffende daran mitmachte und die Sache als eigene ansah, z.B. gemeinsames Treten auf einen am Boden Liegenden) und dass die Verletzung(en) konkret davon kamen.

Wenn ein ganz Unbeteiligter (nicht bekannter/Unbekannter) alle fragliche/n Verletzung/en) zugefügt haben kann: Freispruch

Wenn Notwehr denkbar (aber wie?): Freispruch

Wenn unklar, ob sich einer nicht als Teilnehmer, sondern ganz unabhängig von den anderen daran beteiligt hat: Verurteilung nur wegen einfacherKörperverletzung

§§ 823, 830 BGB:

(1) – § 830 Abs. 1 S. 1:

Der Geschädigte muss nur nachweisen, dass ein Kreis von Personen geschlagen hat, die Mittäter oder Unterstützer  sind (= Teilnehmer: wie Strafrecht), und von diesem insgesamt die Verletzung herrührt.

Jeder einzelne haftet unabhängig von seinem Beitrag auf den vollen Schaden (§§ 840, 420 BGB) und muss sich intern ausgleichen.

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(2) § 830 Abs. 1 S. 2:

Es handeln mehrere nebeneinander, die nicht Teilnehmer, s.o. ): Der Geschädigte muss nachweisen, dass jeder eine grundsätzlich erfolgstaugliche Handlung ausgeführt hat, die also die fragliche Verletzung zugefügt haben kann. Dann (insofern) Verurteilung zu vollem Schadensersatz wie oben, außer der Handelnde beweist individuell, dass seine konkrete Handlung gerade nicht zu der fraglichen Verletzung geführt hat