Risiko Beweislast – Notwehr müssen Sie evtl. beweisen

(Hier zur Übersichtstabelle: Körperverletzung – Risiko Strafe + zivilrechtliche Zahlungspflicht).

(Hier zur Gesamtinfo: Notwehr u.a. Rechtfertigungsgründe).

Strafrecht: Staat muss Ihnen Notwehr widerlegen

Für Strafe muss der Staat Ihnen nachweisen, dass alle allgemeinen Voraussetzungen der Strafbarkeit und alle Tatbestandsmerkmale der Strafvorschrift erfüllt sind – nähere Infos hier. Wenn Sie als strafrechtlich Beschuldigte/r einwenden, sie hätten in Notwehr gehandelt, muss Ihnen der Staat das Gegenteil beweisen – Zweifel gehen im Strafrecht zu Ihren Gunsten (das ist jedenfalls die Theorie).

Zivilrecht: Sie müssen Notwehr beweisen (!)

Achtung – Nr. 1: Das ist zivilrechtlich umgekehrt. Wenn feststeht, dass Sie eine Körperverletzung begangen haben, dann müssen Sie beweisen, dass Sie das durften – Notwehr usw. – Zweifel gehen zu Ihren Lasten.

Das kann theoretisch dazu führen, dass Sie bei Zweifeln, ob Sie in Notwehr gehandelt haben,

  • im Strafprozess freigesprochen werden

aber gleichzeitig

Plus: Strafrecht: Der Verletzte ist Zeuge; Sie sind „nur“ Angeklagter

Achtung – Nr. 2: Im Strafprozess ist der Geschädigte Zeuge (der im Zweifel die Wahrheit sagt…) und Sie sind nur der Angeklagte (… der im Zweifel eine „erfundene Schutzbehauptung“ vorbringt). Im Zivilprozess sind Sie beide nur „Parteien“ und jede Partei braucht erst einmal Zeugen – aber siehe Nr. 1: Wenn Sie keine haben, ist es schon aus für Sie. Also wird derjenige, mit dem Sie aneinander geraten sind:

  • erst einmal den Strafprozess anstrengen.
  • Denn da ist er der arme Geschädigte, der Zeuge, dem man glaubt,
  • das Strafgericht verurteilt Sie
  • und mit diesem Strafurteil gegen Sie geht er dann in den Zivilprozess und will Geld von Ihnen. Dort müssten Sie sogar Ihre Notwehr voll beweisen… viel Glück!

Das bedeutet:

Entweder, wie so oft – die Praxis:

Bzw. die Theorie – Profis lernen das wirklich genau so, aus gutem Grund:

  1. Ruhe bewahren. Nicht aktiv reagieren.
  2. Zeugen / Handyfilmer auf die Situation aufmerksam machen
  3. filmen lassen, bevor Sie aktiv werden.
  4. Rufen Sie laut und deutlich:
  • „Leute, herschauen! Herhören!“
  • Sie da! Hören Sie auf (mit diesen Ehrverletzungen / Hausfriedensbruch / Tätlichkeiten / Nötigung),
  • ansonsten werde ich zu Notwehr (Nothilfe) gegen Sie greifen!“
  • Letzte Aufforderung: Hören Sie jetzt sofort auf mit diesen Rechtsverletzungen (Ehrverletzungen / Hausfriedensbruch), bevor ich jetzt zu Notwehr (Nothilfe) greife und das abstelle!“

Macht er weiter? Filmen Ihre Leute das? Nun (erst) dürfen Sie selbst diese Rechtsverletzung sofort beenden, aber auch nur „auf die mildeste dafür für Sie geeignete Weise“.

Denn letztlich gilt: Das Recht muss dem Unrecht nicht weichen.

Sie dürfen auch zugunsten anderen mit Gewalt eingreifen

Sie dürfen auch Dritten (angegriffenen) so helfen! Das ist Nothilfe – der Notwehr gleichgestellt.

Trotz dieser Worte – Vorsicht:

Die Gesellschaft liebt gewaltsame Eigenmächtigkeitn nicht. Vielleicht haben Sie zudem eine „falsche“ Meinung vertreten? Mann wird Sie man nach allen Regeln der Kunst durch die Mangel drehen. Stand die Polizei ums Eck? Dann hätten Sie doch dahin gehen können! Die hätten Ihnen wohl nicht geholfen? Egal… Wie haben Sie denn geschlagen? Wie oft, wohin? War es ein Schlag zu viel, ein Hieb zu hart? Haben Sie ein Quentchen Rache hineingelegt – die Grenzen der Notwehr überschritten?

Vorsicht lügende Gegenzeugen:

Stellen Sie sich immer auch vor, was die eigenen Zeugen Ihres Angreifers dann „bekunden“ werden.

Also tatsächlich: Der Klügere gibt nach!

Passive Deckung, passive Selbstsicherung, das schnöde Räumen des Feldes gegen Gewalt: Dies wird leider häufig für Sie persönlich die beste Lösung sein.