Verhandlung: Beginn der Sitzung und eigene Aussage

Sie sind angeklagt, müssen zur Strafverhandlung (Hauptverhandlung)? Hier Infos zum Start des Termins: Beginn, Aufruf, Ihre Einlassung (Hier zurück zur Übersichtsseite).

„Was vorher geschah“:

So läuft das dann ab:

Das „Gericht“ tritt ein

Wenn „das Gericht“ (oft Richter/Richterin alleine) eintritt, stehen alle auf. Das macht man einmal am Anfang und nochmals am Ende bei der Urteilsverkündung. Schauen Sie, wie es Ihr/e Verteidiger/in macht. Wenn Sie nachher reden, müssen Sie nicht aufstehen. Sie dürfen es, wenn Sie wollen; das ist aber nicht üblich.

Aufruf; Ihre Personalien

Es geht nun sehr schnell. Die Hauptverhandlung beginnt mit einem Satz, dem Aufruf Ihrer Sache. Der Richter/die Richterin wendet sich Ihnen zu: Sie sind also Herr / Frau, geboren in, usw.; man checkt also Ihre Personalien und Ihre formalen persönlichen Verhältnisse (verheiratet, Staatsangehörigkeit usw.). Es sollte ja der/die richtige Angeklagte dasitzen. Eventuell fragt man Sie gleich weiter zu Ihren Verhältnissen. Vorsicht: Man muss hier aufpassen, dass nicht zuviel gesagt wird! „Arbeiten Sie / als was / was verdienen Sie“ darf hier am Anfang nicht gefragt werden. Noch sind Sie nicht belehrt! Denn das hat evtl. ganz entscheidende Auswirkung auf die Höhe einer Geldstrafe: 90 x 30 € ist etwas ganz anderes als 90 x 120 €!

Evtl.: Zeugen treten kurz alle ein (und gehen wieder hinaus)

Der Richter prüft evtl. bereits zu Beginn, ob die (jetzt schon) geladenen Zeugen/Zeuginnen da sind.

Vielleicht haben Sie ja ihren Gegner / ihre Gegnerin schon gesehen: Der/die darf dann als Zeugenlämmchen in die Mitte sitzen und „die Wahrheit sagen“, während man Ihnen im Zweifel nichts glaubt…

Die Zeugen werden also eventuell hereingerufen und gemeinsam über ihre Wahrheitspflicht belehrt (was Zeugen tatsächlich nur sagen dürfen und müssen, steht hier – so wird aber sehr selten belehrt) und verlassen den Saal wieder.

Achten auch Sie darauf, ob unter den Zuschauern noch jemand sitzt, der als Zeuge „in Betracht  kommt“ und der ebenfalls besser draußen warten soll. Sagen Sie das dann gleich Ihrem Verteidiger:

Ihre Gegner, die nur„Zeugen“ sind, könnten nämlich einen Kumpel als Zuschauer im Saal platzieren, der dann den draußen wartenden sagt, was drinnen so alles gefragt wird – und plötzlich sehen alle Aussagen „stimmig“ aus. Wenn nicht gleich per Handy übertragen wird, Headset draußen genügt… Passen Sie mit auf, wenn Sie solche üblen Tricks bemerken, das muss man sofort abstellen – dann sieht man auch, wer eigentlich auf die Anklagebank gehört hätte.

Gericht sagt, ob es Vorgespräche gegeben hat

Ein weiterer fornaler Satz folgt: Das Gericht gibt bekannt geben, ob es Gespräche über eine Absprache (Deal) gegeben hat oder nich), und ggf. was dabei (nicht) erreicht wurde.

Verlesung Ihrer Anklage / Ihres Strafbefehls

Das Gericht bittet nun um Verlesung der Anklage oder des Strafbefehls. Auf dieses hin steht der Sitzungsvertreter der Staatsanwaltschaft oder die Sitzungsvertreterin auf (Sie bleiben sitzen) und liest die Anklageschrift bzw. den Strafbefehl laut vor: Komplett vom vorgeworfenen Sachverhalt bis am Ende zu den aufgeführten Gesetzestexten. Das kann sehr lange gehen, weil eigentlich nichts weggelassen werden darf – da müssen alle durch.

Sie werden belehrt

Der Richter belehrt Sie (hoffentlich), dass Sie nichts sagen müssen, aber natürlich etwas sagen dürfen… und freut sich auf Ihr reuiges Geständnis.

Das wars’s mit dem Vorspann, der in kurzen SAchen nur wenige Minuten dauert – und schon sind Sie dran. Das ist der Moment, den Sie vorher besprochen haben.

Jetzt sind Sie dran:

Es läuft nun so wie vorbesprochen: Schweigen / nichts sagen? Das ist 1 Satz. Falls Sie sich einlassen: Selbst reden oder Verteidigererklärung? Die Optionen:

  • Sie machen keine Angaben zur Sache – sagen also exakt nur das (Ob und was Sie nachher zu sich selbst was sagen wollen – zur Person – steht Ihnen ebenso frei).
  • Sie reden selbst (Sie reden und werden dann tüchtig gelöchert!)
  • oder es liest der Verteidiger/die Verteidigerin eine mit Ihnen vorbereitete schriftliche Erklärung vor mit oder ohne anschließende Fragen an Sie direkt.

Probleme? Nichts sagen!

Sagen Sie bei Schwierigkeiten nichts! Wenden Sie sich an Ihren Verteidiger!

Pause, Besprechung? Wenn Sie wollen – jederzeit!

Beraten Sie sich, wenn nötig Schritt für Schritt. Nichts vorschnell sagen! Wenn etwas zu besprechen ist, bitten Sie um eine Pause – wenden Sie sich an Ihren Verteidiger! Denn gesagt ist gesagt!

Es folgt dann die Beweisaufnahme: