Verhandlung: Beweisaufnahme

Sie sind angeklagt, müssen zur Strafverhandlung (Hauptverhandlung)? Hier Infos zur Beweisaufnahme: eugenbeweis, Urkundenverlesung, Augenschein (Fotos), Sachverständige (Hier zurück zur Übersichtsseite).

„Was vorher geschah“:

Es folgt dann die Beweisaufnahme:

Die Beweisaufnahme läuft formal über ganz  bestimmte gesetzliche Beweismittel (und nur die). Die „Eidesstattliche Versicherung“ ist hier z.B. nicht dabei.

Jedes Beweismittel ist nach bestimmten Regeln in den Prozess „einzuführen“:

  • Zeugenbeweis
  • Urkundenverlesung
  • Augenschein (z.B. Fotos anschauen, Aussehen einer Unterschrift vergleichen; einen Ort draußen anschauen (macht ein Gericht fast nie) – auch auch über andere Sinne als das Auge:  Anhören einer Audioaufzeichnung, Fahrprobe…)
  • Sachverständige (sollen eigentlich nur an den Stellen mit Fachwissen einspringen, wo das Gericht dieses Wissen nicht hat; sind eigentlich an die Tatsachen gebunden, die man über Zeugen usw. korrekt festgestellt hat  – bekommen aber manchmal aus Faulheit des Gerichts  den Fall fast „übertragen“ (Gehen Sie hin, schauen Sie sich irgendwie alles an, reden Sie mit den Leuten, sagen Sie mir dann, was rauskommt)

Ihr Verteidiger weiß Bescheid, begleitet Sie und und wird sich um alles kümmern.

Beweisziel: Nachweis – zur „richterlichen Überzeugung“

Der Beweis ist je nachdem erbracht, wenn das erforderliche Beweismaß erreicht ist. Das ist beim Beweis ganz allgemein die richterliche Überzeugung.  Das ist zu Recht ein angsteinflößender Begriff.

Denn da kann es ganz einfach laufen: Wenn der Richter oder die Richterin „überzeugt“ ist, dann ist es eben so. Und  da gibt es keinen Maßstab, keine Messgeräte. Es ist, „wenn vernünftige Zweifel schweigen“ – genau der gleiche angsteinflößende Begriff.

Das bedeutet Verteidigung vor Gericht bedeutet: Den vorschnellen Griff nach einer angeblichen Sicherheit verhindern, den Blick für Alternativen offenhalten.

Das ist oft schwierig: Wer 20 Jahre lang von hinterm Schreibtisch aus Leute angeklagt oder verurteilt hat, hat seine „allgemeine Lebenserfahrung“: Gab’s noch nie, kann nicht sein, kann ich mir nicht vorstellen, nach allgemeiner Lebenserfahrung völlig lebensfremd…

Lebensfremd: Aber so ist oft das ganz reale Leben. Und „wissenschaftlich sicherer Nachweis“? Siehe den Skandal um verunreinigte DNA-Stäbchen.

Schluss der Beweisaufnahme

Wenn das Gericht meint, „durch“ zu sein, wird es die Beweisaufnahme „schließen“ wollen.

Beweisanträge?

Bis dahin muss klar sein, ob Ihr Verteidiger noch einen Beweisantrag stellen soll.

Ihr Verteidiger wird sich dies schon im Laufe der Beweisaufnahme überlegen und ggf. in einer Unterbrechung mit Ihnen beraten.

Noch neue Zeugen? Namen und Adressen parat haben!

Wichtig ist, dass Sie möglichst bei neuen Zeugen den vollen Name und ihre Adresse bereit haben!

Lösung sonst: Berufung

(Noch) verlieren Sie im Strafprozess keine Beweismöglichkeiten „durch Verspätung“ (so wie im Zivilprozess sehr wohl möglich). Sie können jederzeit Beweisanträge stellen – wenn aber die Beweisaaufnahme „geschlossen“ ist, dann müssen Sie dazu in die nächste Instanz – sofern Sie eine nächste „Tatsacheninstanz“ haben:

(Der Ladendieb hat noch eine zweite Tatsacheninstanz (hat 3 Instanzen), wenn es um viele Jahre Haft oder lebenslang geht, gibt es von Anfang an nur eine einzige Tatsacheninstanz, und wenn es da nicht klappt, keine mehr (2 Instanzen – nächste ist nur noch reine Rechtsprüfung. Bizarr,  was?)