Verhandlung – Schluss, Plädoyer, Urteil – oder Aussetzung

Sie sind angeklagt, müssen zur Strafverhandlung (Hauptverhandlung)? Hier Infos zum Ende der Verhandlung: Schluss der Beweisaufnahme – Aussetzungsanträge? – Plädoyers – Urteil (Hier zurück zur Übersichtsseite).

„Was vorher geschah“:

Schluss der Beweisaufnahme

Der „Schluss der Beweisaufnahme“ erfolgt, wenn das Gericht meint, keine weiteren Beweise mehr zu benötigen (oder zu haben). Ihr Verteidiger wird sich im Laufe der Beweisaufnahme überlegen und ggf. in einer Unterbrechung mit Ihnen beraten, ob noch ein Beweisantrag gestellt werden muss. Wichtig ist, dass Sie bei neuen Zeugen den vollen Namen und die Adresse bereits wissen.

Aber zuvor noch heißt es aufgepasst:

Hinweise des Gerichts…

Das Gericht muss eventuell, § 265 StPO, nun zentrale Sachen loswerden. Diese Hinweise werden gerne schnell und undeutlich dahingesagt: “Esergehtnochderhinweisdassaucheinebestrafung nachparagrafneunundzwanzigabtmg inbetrachtkommt solldazustellunggenommenwerden? neindann..“

Wie bitte: -a? Ein Verbrechenstatbestand steht im Raum? Eventuell Unterbringung!? Seien Sie auf Zack, melden Sie sich:

Ja, ich möchte dazu natürlich etwas sagen, aber ich kann nicht, weil ich mich jetzt anwaltlich beraten lassen muss! Ich muss daher beantragen:

… Anträge auf Unterbrechung / Aussetzung!

Hinweise auf etwas potentiell Übles? Sie können nicht sofort Stellung nehmen? Sie möchten Sie sich jetzt mit einem Verteidiger/einer Verteidigerin beraten? Dann: Beantragen Sie Unterbrechung (für bis 3 Wochen) oder gar Aussetzung (darüber hinaus – die Hauptverhandlung muss dann von vorne beginnen).

Ansonsten sagt das Gericht „ich schließe die Beweisaufnahme“.

Plädoyer und Antrag der Staatsanwaltschaft

Dann kommt zuerst das Plädoyer der Staatsanwaltschaft.

Es wird kurz zusammenfasst, wie der Sitzungsvertreter oder die Sitzungsvertreterin die Sache jetzt sieht, also nach Hauptverhandlung und Beweisaufnahme.

Und wie wohl? In der Regel wird mit den Worten begonnen:

„Hohes Gericht – die Hauptverhandlung hat den Vorwurf laut Anklageschrift (Strafbefehl) vollumfänglich bestätigt. Denn…“

Und dann kommt, warum die Zeugen gegen Sie alle wahrheitsgemäß, genau und mit voller Erinnerung ausgesagt haben, die Zeugen für Sie sich aber abgesprochen hätten, falsch ausgesagt haben, oder einfach keine richtige Erinnerung mehr haben.

Dass Sie sich entschuldigt haben usw., interessiert oft kaum. Nicht sehr überraschendes Ergebnis: Sie sind so zu verurteilen wie bereits im Strafbefehl von der Staatsanwaltschaft beantragt. Im Fall einer Anklage erfahren Sie (und das Gericht) hier im Plädoyer erstmals, welche Strafe Sie laut Staatsanwaltschaft bekommen sollen.

Plädoyer und Antrag der Verteidigung

Nun wird Ihr Verteidiger reden und all das bringen, was gegen eine Verurteilung und für einen Freispruch spricht. Falls  das nicht möglich ist, wird er alle für Sie sprechenden Punkte in schöner rechtlicher Ordung aufzählen und eventuell selbst einen Gegenantrag stellen.

Ihr letztes Wort

Ihnen stehen die allerletzten Ausführungen zu, bevor sich das Gericht zurückzieht. Ganz klar: Da können Sie selten etwas bewirken, dafür noch alles kaputtmachen. Vertrauen Sie darauf, dass der Verteidiger die optimale „Flughöhe“ erreicht hat. Fangen Sie nicht an, eine eigene Rede zu halten, in der Sie am Ende das Entscheidende doch noch zugeben und/oder doch noch unglaubwürgig wirken! Das passiert nicht selten.

Sie können punkten, wenn Sie wirklich „Mist gebaut“ haben sollten, das wirklich bereuen und das jetzt nochmal kurz und authentisch rüberbringen. Authentisch! Nicht ist schlimmer auf aufgesetzte Theatralik. Halten Sie sich also zurück, folgen Sie dem Rat des Verteidigers, der meistens lautet zu sagen

„Ich schließe mich meinem Verteidiger an“.

Das Gericht wird sofort entscheiden

In Zivilsachen, wo es „nur“ um Geld geht – so gut wie nie traut sich das Gericht eine sofortige Entscheidung zu. Entscheidungstermin ist meist Wochen später, das Gericht nimmt sich viel Zeit zum Überlegen. In Strafsachen, wo es um Sie selbst, eventuell Ihre Freiheit geht: Da geht es zack-zack, das Amtsgericht entscheidet fast immer sofort. Fragen Sie nicht, warum – es ist Justiztradition.

Deshalb ist es so wichtig, mit der Verteidigung lange vor dem Verhandlungstermin anzufangen.

Das Gericht unterbricht für eine viertel oder eine halbe Stunde – aber die meiste Zeit davon vergeht, um den Urteilstenor, ggf. Bewährungsbeschluss schriftlich abzufassen. Die Zeit zum Überlegen beträgt nur wenige Minuten.

Wiedereintritt Gericht, Urteilsverkündung, Belehrungen

Das Gericht kommt wieder herein, alle stehen auf und hören Sie nun genau zu: Ihr Urteil wird verkündet.

Das war’s für diese Instanz – reden Sie nicht hinein; es bringt nichts.

Falls eine Strafaussetzung zur Bewährung erfolgt ist, hören Sie weiter zu: Es kommt noch ein „dickes Ende“, wenn man schon wieder sitzt, nämlich der Bewährungsbeschluss für Sie mit seinen Auflagen und Weisungen.

Alles folgt schriftlich, aber erst Wochen später. Die Rechtsmittelfrist läuft aber ab Verkündung!

Es folgen die Belehrung: Berufung oder Revision, einzulegen innerhalb einer Woche ab heute, begründet werden kann später.

Wenn also diese Woche vorbei ist, ist Ihr Urteil rechtskräftig. (Mittwoch Urteilsverkündung = Frist zur Einlegung bis nächster Mittwoch 24:00 Uhr; 00:00 Uhr am Do.: rechtskräftig. Falls je Urteil am Sa/So/Feiertag = nächster Werktag).

Berufung? Kann nicht schlechter werden, aber: Staatsanwaltschaft kann genauso Berufung einlegen

Wenn Sie Berufung einlegen und die Kosten dafür risikeren wollen, kann es für Sie nicht schlechter, oft nur besser werden – aber die Staatsanwaltschaft kann auch in Berufung gehen und die Sache ist wieder „nach oben offen“.

„Gewonnen“?

Leider, eben: Wenn Sie gut abgeschnitten haben, besteht das Risiko, dass die Staatsanwaltschaft in Berufung geht. Nicht zu früh freuen. Wenn die Gefahr besteht, muss man evtl. doch mit einer eigene Berufung den Gleichstand herstellen.

Freispruch? Einstellung sogar mit Kostenübernahme auf die Staatskasse?

Wenn ein Freispruch erzielt wurde oder eine Einstellung mit Kostenübernahme auf die Staatskasse erfolgt ist, werden Ihre Kosten erstattet.

Bis zum Parkticket: Bewahren Sie dann Kostenbelege (Fahrkarte, Parken usw.) auf und geben Sie diese Ihrem Verteidiger, das wird oft vergessen.