Verhandlung: Überblick und Beteiligte

Sie sind angeklagt, müssen zur Strafverhandlung (Hauptverhandlung)? Hier der Überblick und Infos zu den Beteiligten (Hier zurück zur Übersichtsseite).

Pünktlich vor Aufruf da sein

Seien Sie pünktlich da. Wenn es eine Verhandlung über ein Rechtsmittel von Ihnen ist oder wenn Sie Einspruch gegen eine  Strafbefehl einbelegt haben, wird Ihr Rechtsmittel ohne Prüfung verworfen, wenn Sie nicht pünktlich da sind!

Da wird nicht lange gewartet, also müssen Sie bei Verzögerungen, für die Sie nichts können, unbedingt bei Gericht anrufen.  Vorsichtshalber die Nummer herausschreiben (vor allem die Zentrale).

Mit Ihrem Verteidiger treffen Sie sich wie verabredet, sonst 10-15 Minuten vorher im Eingangsbereich. In welchem Saal Ihre Sache stattfindet, können Sie am Aushang der Tagesordung sehen oder Sie fragen am Eingang.

Die Sache wird eventuell per Lautsprecher aufgerufen, fast wie am Bahnhof. Bleiben Sie also vor dem Saal, damit Sie den Aufruf hören. Der Aufruf ist oft nur kurz, nuschelig – eben wie am Bahnhof.

Möglicherweise verzögert sich Ihre Sache, vor allem, wenn es nicht der erste Termin des Tages ist. Trauen Sie sich ruhig, dann mal die Tür aufzumachen!

Sitzpositionen, Rollen und Ansprache der beteiligten Personen

Wenn der Saal schon vorher geöffnet wird und Ihre Querbank (siehe gleich) leer ist, spricht nichts dagegen, hineinzugehen und sich gleich hinzusetzen. „Guten Tag“ sagen reicht – Sie müssen nicht herumgehen und allen die Hand geben.

Die „Verfahrensbeteiligten“ sitzen meistens über Eck. (Die „Verfahrensbeteiligten“ ist der Oberbegriff für alle, die mitmachen, Sie inbegriffen; außer der „Öffentlichkeit“).

Das Gericht“ sitzt erhöht an der Stirnseite unter dem Wappen in der Mitte. Es kann 1 Person sein („Herr / Frau Vorsitzende/r“) ud evtl. weitere (z.B. Schöffen).

Neben „dem Gericht“ sitzt an einem Monitor der/die „Herr/Frau Protokollführerin“. Es wird nicht auf Audio oder Video aufgenommen, sondern ein Protokoll manuell mitgeschrieben. Seit Steno (manuelle Kurzschrift) nicht mehr beherrscht wird, funktioniert das nur noch eingeschränkt. Das hat „Chancen und Risiken“.

Ca. 90° zum Gericht im Saal sitzen Ihnen gegenüber für die Staatsanwaltschaft deren „Sitzungsvertreter“ bzw. „Sitzungsvertreterin“. (Selten sitzt der Sitzungsvertreter noch oben neben dem Richter). Man sagt „Herr Sitzungsvertreter“ oder „Frau Sitzungsvertreterin“ oder einfach „Herr Staatsanwalt“ oder „Frau Staatsanwältin“.

Diese haben alle eine schwarze Robe an, wie Ihr Verteidiger:

Sie als Angeklagter sitzen am anderen Tisch schräg bzwö 90° zum Gericht. Sie schauen also nicht den Richter an, sondern den Sitzungsvertreter bzw. hinter diesem zum Fenster hinaus…

Auf Ihrer Seite lassen Sie den 1. Platz in Richtung Gericht für Ihren Verteidiger frei, falls Sie den/die haben – als Prellbock zwischen Ihnen und Gericht.

Wenn Sie der erste sind und nicht wissen, welche Seite die für die/den Angeklagte/n ist, fragen Sie: In der Regel sitzt der Angeklagte mit dem Rücken zur Wand, Blick zum Fenster, die Staatsanwaltschaft mit Rücken zum Fenster mit Blick nach innen.

Nach hinten kommen die Zuschauerstühle. Die Verhandlungen sind regelmäßig öffentlich – Ausnahme Jugendsachen. Die Öffentlichkeit auszuschließen ist evtl. möglich.

In der Mitte steht ein kleines Tischchen, vor bzw. unter dem Richtertisch: Das ist für Zeugen. Sollten Sie Zeuge / Zeugin sein, setzen Sie sich nach Ihrem Aufruf an dieses Tischchen. Zeugen müssen die Wahrheit sagen, werden belehrt, und danach glauben Gericht und Staatsanwaltschaft „ihren“ Zeugen fast alles. Man braucht ja einen Verantwortlichen für das Urteil

„Das Gericht“ ist normalerweise noch nicht im Saal. Es hat keinen Sinn, mit dem Sitzungsvertreter der Staatsanwaltschaft oder der Sitzungsvertreterin ins Gespräch zu kommen. Diese Person vertritt die Staatsanwaltschaft an diesem Tag in allen Fällen insgesamt, ist also kaum gleichzeitig der Sachbearbeiter Ihres Falles bzw. Ersteller der Anklage.

Es ist in jedem Fall eine der großen Unbekannten des Tages, mit welchem Typ Staatsanwalt Sie es zu tun bekommen: Fair und milde oder einseitig und unbelehrbar?

Das gilt für „das Gericht“ natürlich genauso.

Wie spricht man das Gericht an?

„Das Gericht“ ist tatsächlich der allgemeine Begriff – vom Gebäude bis zum Richter oder der Richterin im Saal.

Die Ansprache lautet „hohes Gericht“ oder „Herr Vorsitzender / Frau Vorsitzende“. Genau: auch wenn „das Gericht“ wie es wie meistens nur aus einer Person besteht, heißt es trotzdem „Herr Vorsitzender / Frau Vorsitzende“. Auch wenn niemandem „vorgesessen“ wird.

Man redet „das Gericht“ nie persönlich, mit dem Nachnamen, an.  „Hohes Gericht“ ist die beste Anrede, wenn Sie selbst in der Verhandlung einhaken wollen. Sie können „Herr Richter/Frau Richter“ sagen. 

„Herr Vorsitzender / Frau Vorsitzende“ sagt eher Ihr Anwalt.

„Euer Ehren“ und „Hochwürden“ gibt es in Deutschland nicht – so wenig wie Perücken und das Holzhämmerchen. Und nun zum eigentlichen Beginn der Hauptverhandlung….