Verhandlung: Vorbereitung vor dem Termin

Sie sind angeklagt, müssen zur Strafverhandlung (Hauptverhandlung)? Hier Infos zur konkreten Vorbereitung (Hier zurück zur Übersichtsseite).

Auftreten

Ziehen Sie sich unauffällig an; sauber, nicht großspurig. Als Mann genügen Jeans und Hemd. Keinen sehr auffälligen Schmuck tragen ; „kritische“ Tattoos vielleicht erst mal bedecken. Sehen Sie auf jeden Fall nicht aus wie ein „typischer Täter“ des jeweiligen Delikts. Wenn Sie z.B. wegen Betrugs angeklagt sind, kommen Sie nicht im teuersten Anzug und Golduhr.  Jugendliche: Kappe im Saal absetzen, nicht aufbehalten, Kaugummi vorher raustun. Das hat schon Richter ausrasten lassen.

Mitnehmen

Ihre Ladung und Ihre Anklageschrift / Ihren Strafbefehl.

Wenn Sie aktuelle Unterlagen zu Ihrer Entlastung haben, bringen Sie diese mit – wenn möglich bereits in 2 Kopien:

  • Wenn ALG II/Sozialhilfe: aktueller Leistungsbescheid;
  • alle Arztatteste zu Verletzungen/Behandlungen,
  • Bescheinigungen über wahrgenommene Therapiestunden / Besuche bei der Suchtberatung

Ganz vergessen? Jetzt aber los!! Per E-Mail, Fotos oder wie auch immer schicken lassen!

Wichtig: Sind Ihnen noch Zeugen/Zeuginnen eingefallen?

Am Ende der Verhandlung muss klar sein, ob Ihr Verteidiger noch einen Beweisantrag stellen soll. Wichtig ist also, dass Sie schon voher neue Zeugen mit ihrem vollen Namen und Adresse bereit haben!

Wie sich vorbereiten?

Notizblock lohnt kaum. Mitschreiben werden Sie nicht.

Ihre Aussage können Sie schriftlich vorbereiten – auf keinen Fall sollen Sie diese Notiz vorlesen oder überhaupt zeigen: Das Gericht will, dass Sie Ihre Aussage „frei“ machen. Nur so wirkt diese auch ehrlich.

In diesem Zusammenhang:

Selbst reden – oder soll der Verteidiger eine vorbereitete Aussage vorlesen?

Siehe die gesonderte Info: Verhandlung; Aussage: Nichts sagen, selbst reden, über Verteidiger? Ihr Verteidiger wird sich das alles überlegt haben. Wenn Sie vorab Zweifel haben: Rufen Sie beim Verteidiger an; denn dieser Punkt ist wirklich wichtig.

Ihre Gedankenstütze kurz vorher:

Lesen Sie Ihre Anklage/Strafbefehl nochmals durch, auch wenn es weh tut.

Wenn es schon länger her ist, dass mit Ihnen eine Verteidigererklärung angefertigt wurde, lesen Sie diese auf jeden Fall vorher durch. Lesen Sie auch die schriftlichen Stellungnahmen durch, die im Verfahren bereits für Sie zur Akte gegeben worden sind (Sie müssten Kopien bekommen haben). Machen Sie sich nochmals klar:

  • was wurde bereits zu Ihrer Person vorgetragen?
  • was wurde in der Sache vorgetragen?
  • Das ist Ihre Einlassung – Richter und Staatsanwalt haben diese Erklärungen heute so im Kopf.

Sie dürfen dann im Termin nichts anderes sagen, als in diesen Stellungnahmen steht. Im Zweifel: Vorbereitete, schriftliche Verteidigereinlassung.

Sollte etwas zu korrigieren sein, weil der Verteidiger etwas falsch verstanden oder formuliert hat: Sprechen Sie umgehend Ihren Verteidiger an, damit dieser die Korrektur übernehmen kann (wenn diese sinnvoll ist).

Lernen Sie aber nichts auswendig. Rufen Sie sich nochmals die Situation in Erinnerung. Auch Sie sind nur ein Mensch, der sich nach langer Zeit natürlich nicht mehr voll erinnert.

Ruhig schlafen, ruhig bleiben

Ganz ruhig bleiben: Ihr Verteidiger wird die Sache im Griff haben und einhaken, wann immer es nötig ist. Wenn nicht, kann die Sache ruhig so weiter laufen oder ist gibt gar keine Eingriffsmöglichkeit. Schlafen Sie ruhig: Das Schlimmste, was Ihnen in erster Instanz passieren kann, ist ein nicht rechtskräftiges Urteil, gegen das Berufung eingelegt werden kann (ganze Sache beginnt von vorn). Und dann könnte noch an Revision gedacht werden (rechtliche Prüfung).

Zeitplanung

Seien Sie auf jeden Fall rechtzeitig da, besonders, wenn Sie auf einen Strafbefehl hin verhandeln oder wenn es die Berufungsverhandlung ist: Sollten Sie hier nicht erschienen sein, könnte Ihr Rechtsmittel verworfen werden! Checken Sie also vorher im Internet Lage des Gerichts, Anreisezeit, Zeit für Parken.

Wenn nicht anders vereinbart, treffen Sie Ihre/n Verteidiger/in vor oder im Gerichtsgebäude 10-15 Minuten vor Terminsbeginn.

Im Zweifel treffen Sie sich dort, wo die Tagesordnungen aushängen (ggf. bei der Pforte fragen), wenn nichts Besonderes vereinbart ist.

Handy Verteidiger: 0171/53 489 54.

Nachher: Belege aufbewahren

Wenn ein Freispruch erzielt wurde oder eine Einstellung mit Kostenübernahme auf die Staatskasse erfolgt ist, werden Ihre Kosten erstattet. Bis zum Parkticket: Bewahren Sie dann Kostenbelege (Fahrkarte, Parken usw.) auf und geben Sie diese nachher Ihrem Verteidiger, das wird oft in der Freude vergessen.