Verlegung in eine sozialtherapeutische Einrichtung?

§ 8 JVollzGB III BW Verlegung in eine sozialtherapeutische Einrichtung

(1) Gefangene sollen in eine sozialtherapeutische Einrichtung verlegt werden, wenn deren besondere therapeutischen Mittel und sozialen Hilfen zu ihrer Resozialisierung angezeigt und erfolgversprechend sind, von ihnen ohne Behandlung erhebliche Straftaten zu erwarten sind und die Anstaltsleiterin oder der Anstaltsleiter der sozialtherapeutischen Einrichtung zustimmt. Ist die Entscheidung über Verlegungen in eine sozialtherapeutische Einrichtung einer zentralen Stelle übertragen, bedarf es der Zustimmung nach Satz 1 nicht.

(2) Vor einer Verlegung ist die Bereitschaft der Gefangenen zur Teilnahme an therapeutischen Maßnahmen zu wecken und zu fördern.

(3) Gefangene sind zurückzuverlegen, wenn der Zweck der Behandlung aus Gründen, die in ihrer Person liegen, nicht erreicht werden kann.

(4) § 6 Abs. 1 und § 65 bleiben unberührt.

Ein weiteres Umsatz- und Betätigungsfeld für Einrichtungsträger der Sozialindustrie und für Psychologen, Therapeuten, Soziologen, Sozialarbeiter…

Ein Vorteil ist die Möglichkeit, dass (nur) Gefangenen, die in einer sozialtherapeutischen Einrichtung behandelt wurden, zur Vorbereitung der Entlassung Freistellung aus der Haft von bis zu sechs Monaten gewährt werden kann, § 89 Abs. 4 JVollzGB III BW.

Eigeneinschätzung:

„Bei den sozialtherapeutischen Einrichtungen handelt es sich um besonders qualifizierte Intensivstationen im deutschen Justizvollzug. Sie bieten inhaftierten Straftätern eine besondere Behandlung, damit sie nach der Entlassung straffrei bleiben und erfolgreich am Leben unserer Gesellschaft teilnehmen können“… „Integrative Sozialtherapie: Das bedeutet, dass nicht irgendein Spezialist alleine die Behandlung durchführt, sondern dass ein interdisziplinäres Team psychotherapeutische, pädagogische und arbeitstherapeutische Vorgehensweisen miteinander verknüpft. … Im Erwachsenenbereich zielt dann die arbeitstherapeutische Intervention weniger auf das Erreichen von schulischen und beruflichen Abschlüssen, sondern eher auf das Lernen von einzelnen Fähigkeiten, die für ein erfolgreiches Arbeitsverhalten wichtig sind: Ausdauer, Kommunikation, Zusammenarbeit, Selbstkritik, Rücksichtnahme. …Zudem wird in einer integrativen Sozialtherapie nicht nur die Tat thematisiert. In den Anfängen der Sozialtherapie haben manche Therapeuten mit ihren Gefangenen oft überhaupt nicht über ihre Taten gesprochen. Sie haben in vielen Sitzungen mit ihnen ihre frühen Aufwachsbedingungen analysiert und sich kaum mit dem beschäftigt, warum sie inhaftiert waren. Heute besteht eher die Gefahr, dass man die Behandlung zu sehr auf die Tat reduziert – besonders bei Sexualstraftätern. Eine integrative Sozialtherapie bezieht das gesamte Lebensumfeld in die Behandlung ein und gestaltet schließlich den Umgang miteinander innerhalb der sozialtherapeutischen Einrichtung im Sinne einer therapeutischen Gemeinschaft. Bei dieser therapeutischen Gemeinschaft kommt es darauf an, dass in der jeweiligen Einrichtung ein vertrauensvolles therapeutisches Klima herrscht. … Therapeuten und Erzieher werden nur dann Behandlungserfolge erzielen, wenn sie bei ihrer Arbeit das richtige Maß an Respekt und Akzeptanz einerseits finden und andererseits aber auch wohlwollend und empathisch Grenzen aufzeigen und konsequent sind…

… und so weiter. Hier steht das alles. Wenn das was für Sie ist, bewerben Sie sich.

Ein Anspruch besteht nicht, die Einrichtungen dürfen sich die angenehmsten Fälle heraussuchen (§ 8 Abs. 1 S. 1 am Ende).