Vorzeitige Haftentlassung – Einzelne Tips

Sie müssen eine rechtskräftige Freiheitsstrafe ohne Bewährung verbüßen? Hier finden Sie Infos zur vorzeitigen Entlassung – ob ein Rest der Strafe zur Bewährung ausgesetzt werden kann (Reststrafenaussetzung).

Auf dieser Seite finden Sie einige grundsätzliche Tips. (Hier zurück zur Übersichtsseite).

Siehe die Checkliste:

Zu den Kriterien für eine Reststrafenaussetzung siehe hier. Dies sollte Ihre Checkliste sein. Das heißt vor allem:

Von Anfang an

Es gilt daher, von Anfang an auf den frühest möglichen vorzeitigen Entlasszeitpunkt hinzuarbeiten – praktisch vom ersten Tag im Strafvollzug. Von nichts kommt nichts!

Kein zweckloser Widerstand

Wenn Sie eine vorzeitige Haftentlassung möchten ist Widerstand zwecklos!

Sie sind jetzt in Haft, vergessen Sie Ihren Kampf vorher vor Gericht. Damals gab es noch wirksame Möglichkeiten und wirksame Rechtsmittel – jetzt nicht mehr.

Jetzt haben Sie keine wirksamen Möglichkeiten, alles und jedes in mehreren Instanzen prüfen zu lassen; das können Sie tun, aber Ihre Zeit läuft.

In Haft ist fast das Ende der Fahnenstange des Rechtsstaats erreicht. Der einzig Leidtragende eines individuellen Widerstandes wären Sie selbst. Sie sind abhängig von Ihren Beurteilungen durch die JVA – die Strafvollstreckungsrichter übernehmen diese Beurteilung und die Staatsanwaltschaft ist sowieso nie milder.

Beispiel für den, der beim Militär gedient hat: Stellen Sie sich vor, Sie sind in der Grundausbildung und zur Wache oder zu einer Übung eingeteilt. Das passt Ihnen nicht – Sie hätten es lieber nach Ihren Vorstellungen. Sie können hier nicht ins Kommandogebäude gehen, ein Gespräch verlangen und „Ansprüche“ geltend machen. Ihr Kommandeur wird Sie aus dem Zimmer brüllen, Sie werden übers Wochenende Dienst tun – und auch in der JVA erreichen Sie nur eines: Ihr Gesicht und Ihr Name wird nicht vergessen – auch, wenn es um eine vorzeitige Entlassung geht.

Einzige Chance: Konstruktiv und ruhig

Wer passiven Widerstand leistet (aktiver Widerstand kann eine erneute Straftat sein!) und sich verweigert, kann das tun, muss sich aber auf Endstrafe einstellen.

Denken Sie an später, an Ihre (zukünftige) Familie, Frau, Kinder. Sie haben noch viele aktive Jahre vor sich. Nur weil Ihnen strafrechtlich etwas verrutscht ist, muss Sie das nicht endgültig brechen. Denken Sie an Ihre Zukunft. Es lohnt sich, konstruktiv und ruhig aufzutreten.

Wichtig: Zusammenarbeit mit dem Sozialdienst

Es kommt vor allem auf Ihre/n zuständige/n Sozialarbeiter/in an. Hier wird vorbereitet und oft schon vorentschieden, was Ihrer Vollzugsplankonferenz vorgelegt und dann dort entschieden wird.

JVA: Verdacht ist Fakt

Gravierendere Vorfälle kommen Ihre Gefangenenpersonalakte. Diese ist aber auch für einen Verteidiger praktisch unerreichbar. Behauptungen zu Ihnen darin sind damit kaum sachlich anfechtbar. Ein dort vermerkter Verdacht gegen Sie bleibt hängen. Vergessen Sie hier vorsichtshalber die Unschuldsvermutung. Für die JVA gilt oft unausgesprochen: Verdacht ist Fakt! Nochmals: In Haft ist das Ende der Fahnenstange des Rechtsstaats erreicht.

Negative Vorfälle vermeiden

Gewöhnen Sie sich ein, so gut es geht. Halten Sie sich von üblen Situationen fern, markieren Sie nicht den harten Hund. Seien Sie intelligent, bleiben Sie cool, halten Sie eine Distanz zu Ihren Kameraden. Vermeiden Sie Meldungen (die werden gezählt). Vermeiden Sie disziplinare Maßnahmen. Denken Sie daran: Wen das nicht kümmert, ist ein Kandidat für Endstrafe. Das kann natürlich jeder halten, wie er will. Aber:

Wer sich mit Endstrafe abfindet, muss nicht Ihr Vorbild sein

Jeder hat seine eigenen Gründe und Hintergründe. Viele Ihrer Kameraden müssen sich mit Endstrafe abfinden. Das ist dann deren Weg, das ist auch in Ordnung.

Wenn Sie sich aber nach den Kriterien nicht mit Endstrafe abfinden müssen, sondern Chancen haben, machen Sie das Ihren Kollegen klar: Jedem sein eigener Weg, und man soll Sie in Ruhe lassen auf dem Ihrigen.

Keine neue Straffälligkeit – keine neuen Ermittlungsverfahren!

Vermeiden Sie auf jeden Fall neue Ermittlungsverfahren. Solange die laufen, wird man Sie oft schon deshalb nicht entlassen.

Sollten noch „alte“ Sachen auftauchen (Vorfälle lagen noch vor Rechtskraft Ihrer letzten Verurteilung), muss etwas getan werden; Sie müssen hier auf jeden Fall zu einem Rechtsanwalt- die Verteidigung, während Sie in Haft sind, ist meist ein Fall einer Pflichtverteidigung.

Positives Verhalten zeigen:

  • Mitarbeit im Arbeitswesen, so gut es geht
  • Konstruktives Verhalten gegenüber dem Vollzugspersonal
  • Konstruktives Mitmachen bei sozialen Angeboten
  • Rechtzeitiges Interesse und Mitarbeit an vollzugsöffnenden Maßnahmen (Ausgang, Freigang, Urlaub)

Die befassten Fachleute tragen zu Ihrer Stellungnahme zur Reststrafenaussetzung zur Bewährung bei.

Eine Entwicklung zeigen

Die JVA möchte Sie resozialisieren. Selbst ein schlechter Beginn schadet nicht, wenn Sie eine schöne Entwicklung zum Besseren zeigen. Das befriedigt die JVA und die Sozialdienste (durchaus zu Recht!). Wenn das soweit authentisch verlaufen ist, haben Sie gute Karten für eine vorzeitige Entlassung. Hier zählt auch:

Vollzugslockerungen erreichen und positiv durchhalten

Ohne bestandene Vollzugslockerungen keine vorzeitige Entlassung! Lockerungen (Vollzugsöffnende Maßnahmen – VÖM) sind die Basis für eine Reststrafenaussetzung zur Bewährung – die JVA möchte diesen Übergang getestet haben und ein positives Ergebnis sehen. Hier gibt es eine (nicht zwingende) Reihenfolge, z.B.:

  • Verlassen der Anstalt für eine bestimmte Tageszeit unter Aufsicht (Ausführung)
  • regelmäßige Beschäftigung außerhalb der Anstalt unter Aufsicht (Außenbeschäftigung)
  • Verlassen der Anstalt für eine bestimmte Tageszeit ohne Aufsicht eines Vollzugsbediensteten (Ausgang)
  • regelmäßige Beschäftigung außerhalb der Anstalt ohne Aufsicht eines Vollzugsbediensteten (Freigang)
  • Hafturlaub erfolgreich bestanden; etwaige Weisungen eingehalten?

Entlassungsbedingungen gestalten

Arbeiten Sie dann rechtzeitig am zukünftigen Entlassungsumfeld :

  • Fortsetzung der Schule/Ausbildungsplatz/Arbeitsplatz,
  • Wohnung.
  • Soziale Anbindung (aber nicht das alte, aktenkundig schädliche Umfeld)

Angebote der JVA nutzen, z.B. Hilfen zum Übergang

Die Hürde zwischen dem früheren Leben, dem Strafvollzug und dem eigenständigen Leben in Freiheit danach kann hoch sein. Es gibt evtl. in Ihrer JVA Stellen und Angebote für das Übergangsmanagement, mit denen die Integration in den Arbeitsmarkt gefördert werden soll und einem Rückfall vorgebeugt werden soll (siehe Prognose!), z.B. „Zukunft in Arbeit mit Perspektive“ oder ähnlich, Machen Sie mit, nutzen Sie diese Angebote konstruktiv. Noch haben Sie Zeit für Bemühungen schon aus der Haft heraus (Arbeitsplatz, Ausbildungsplatz, Schule). Nutzen Sie die Nachbetreuung für die erste Zeit draußen.

Lange Strafzeit / Endstrafe? Machen Sie eine Ausbildung!

Dann hilft evtl. nur, sich ins Unvermeidliche zu fügen – eventuell können Sie eine (weitere) anerkannte Ausbildung machen. Nicht aufgeben!