Vorzeitige Haftentlassung nach Halbstrafe – Erstverbüßer oder ganz besondere Umstände

Sie müssen eine rechtskräftige ErwachsenenFreiheitsstrafe ohne Bewährung verbüßen? Hier finden Sie Infos zur vorzeitigen Entlassung – ob ein Rest der Strafe zur Bewährung ausgesetzt werden kann (Reststrafenaussetzung), hier: bereits nach Halbstrafe. Zur Aussetzung einer Jugendstrafe (§ 88 JGG) siehe hier. (Hier zurück zur Übersichtsseite).

§ 57 Abs. 2 StGB sagt:

 (2) Schon nach Verbüßung der Hälfte einer zeitigen Freiheitsstrafe, mindestens jedoch von sechs Monaten, kann das Gericht die Vollstreckung des Restes zur Bewährung aussetzen, wenn

  1. der Verurteilte erstmals eine Freiheitsstrafe verbüßt und diese zwei Jahre nicht übersteigt oder
  2. die Gesamtwürdigung von Tat, Persönlichkeit des Verurteilten und seiner Entwicklung während des Strafvollzugs ergibt, daß besondere Umstände vorliegen,

und die übrigen Voraussetzungen des Absatzes 1 erfüllt sind.

Halbstrafe von Anfang an ausgeschlossen?

Achtung: Einer Aussetzung bereits bei Halbstrafe können von vorne herein Gesichtspunkte der Abschreckung oder eine erhöhte Tatschuld entgegen stehen. Wenn Ihre Tat also ein gerade „politisch“ empfindiches Thema betrifft, können Sie evtl. schon nicht mehr realistisch mit Halbstrafe rechnen.

Erstverbüßer?

Ansonsten sollten Sie am besten Erstverbüßer sein (§ 57 Abs. 2 Nr. 1 StGB, s.o.). Ansonsten benötigen Sie ganz besondere Umstände (§ 57 Abs. 2 Nr. 2 StGB, s.o.).

Alle allgemeinen Kriterien positiv erfüllt?

Für Halbstrafe müssen natürlich erst recht alle allgemeinen Kriterien gem. § 57 Abs. 1 StGB für die Reststrafenaussetzung nach 2/3 der Strafvollstreckung positiv erfüllt sein.

Zusätzliche besondere Umstände?

Falls Sie nicht Erstverbüßer sind, müssen individuell besondere Umstände vorliegen. Die Strafvollstreckungskammer hat die hier volle Freiheit; es kommt auf eine „Gesamtwürdigung“ an von:

  • Ihrer Tat(en) und deren Umstände
  • Ihrem Verhalten danach und im Prozess
  • Ihrer Persönlichkeit und der Entwicklung während des Strafvollzugs.

Entscheidend ist Ihr individueller Fall und dass Sie von Anfang an konsequent an Ihrer Entlassung arbeiten.